Drei Projektbausteine

Drei Bausteine für nachhaltigen deutsch-tschechischen Dialog

Baustein 1

Zusammenarbeit der Gymnasien

Die Zusammenarbeit der Gymnasien bildet einen zentralen Baustein des Projekts CZ-D Dialog. Ziel ist es, Jugendliche aus Deutschland und Tschechien miteinander ins Gespräch zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, die gemeinsame Geschichte sowie die heutige Lebensrealität in der Grenzregion aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Dabei geht es nicht nur um historisches Lernen, sondern auch um Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verständnis.

Im Rahmen gemeinsamer Projektphasen, schulübergreifender Aktivitäten und thematisch abgestimmter Unterrichtseinheiten beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit historischen Entwicklungen, die die Region bis heute prägen. Die Gymnasien arbeiten dabei eng zusammen, stimmen Inhalte ab und entwickeln Lernformate, die die Jugendlichen aktiv einbeziehen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem grenzüberschreitenden Vergleich: Welche Ereignisse und Erfahrungen wurden auf deutscher und tschechischer Seite ähnlich wahrgenommen – und wo zeigen sich Unterschiede in Erinnerung, Deutung und Erzähltradition?

Die Zusammenarbeit orientiert sich an drei historischen Schwerpunkten, die bewusst chronologisch aufgebaut sind und den Lernenden ermöglichen, langfristige Entwicklungen und Zusammenhänge zu erkennen.

Industrielle Revolution – Anfang 20. Jahrhundert - Vergangenheit entdecken

Der erste Schwerpunkt führt in die Zeit der industriellen Umbrüche vom 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Epoche veränderten technische Innovationen und neue Produktionsweisen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Alltag der Menschen. Fabriken entstanden, Städte wuchsen, Verkehrswege wurden ausgebaut und viele Regionen entwickelten sich rasant.

Für die deutsch-tschechische Grenzregion war diese Zeit besonders prägend: Industrie und Handwerk, Rohstoffabbau, Textilproduktion oder Maschinenbau schufen neue Arbeitsplätze, führten aber auch zu sozialen Herausforderungen, Migration und neuen gesellschaftlichen Spannungen. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie stark die Regionen bereits damals miteinander verflochten waren – durch Handel, Arbeitskräftebewegungen und kulturellen Austausch. Gleichzeitig wird deutlich, wie unterschiedlich sich einzelne Orte entwickelten und welche Spuren diese Epoche bis heute hinterlassen hat.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit - Geschichte verstehen

Der zweite Schwerpunkt widmet sich einer der schwierigsten und folgenreichsten Phasen der gemeinsamen Geschichte: dem Zweiten Weltkrieg und den Jahren danach. Die Grenzregion war in dieser Zeit geprägt von politischer Gewalt, Kriegserfahrungen, Unterdrückung, Zerstörung und massiven gesellschaftlichen Umbrüchen. Auch nach Kriegsende blieb die Situation für viele Menschen unsicher – geprägt von Neuanfängen, Verlust, Flucht und Vertreibung sowie neuen politischen Grenzen und Systemen.
Die Jugendlichen setzen sich mit konkreten Ereignissen und Biografien auseinander und betrachten die Auswirkungen des Krieges auf das Leben in den Städten und Gemeinden beider Länder. Dabei steht nicht nur das reine Faktenwissen im Vordergrund, sondern vor allem das Verständnis für historische Erfahrungen und deren Nachwirkungen. Der Projektbaustein unterstützt die Lernenden darin, unterschiedliche Perspektiven zu erkennen, kritisch zu reflektieren und sensibel mit Erinnerungs- und Gedenkkulturen umzugehen.
Gerade dieser Schwerpunkt zeigt, wie wichtig Dialog und Austausch sind: Geschichte wird nicht nur erzählt, sondern auch unterschiedlich erinnert. Das gemeinsame Lernen hilft dabei, ein differenziertes Bild zu entwickeln und die Bedeutung demokratischer Werte für die Gegenwart zu verstehen.

Gegenwart und Zukunft der Grenzregion - Zukunft gestalten

Im dritten Schwerpunkt richtet sich der Blick auf die heutige Situation und auf die Frage, wie sich die Grenzregion weiterentwickeln kann. Die Jugendlichen beschäftigen sich mit aktuellen Herausforderungen und Chancen, die das Leben im Grenzraum prägen: europäische Zusammenarbeit, wirtschaftliche Verflechtungen, kulturelle Vielfalt, Mobilität, Sprache und Identität.

Dabei wird deutlich, dass Grenzen heute weniger trennen als früher – und dennoch im Alltag weiterhin eine Rolle spielen können, etwa durch Sprachbarrieren, unterschiedliche Verwaltungsstrukturen oder regionale Unterschiede. Gleichzeitig bietet die Nähe beider Länder enorme Potenziale: gemeinsame Bildungsangebote, Austauschprogramme, grenzüberschreitende Arbeitsmärkte, kulturelle Veranstaltungen und Projekte zur regionalen Entwicklung.

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln in diesem Baustein eigene Zukunftsperspektiven: Wie möchten junge Menschen in der Grenzregion leben? Welche Formen der Zusammenarbeit sind sinnvoll? Was braucht es, damit gegenseitiges Verständnis wächst und die Region als gemeinsamer Lebensraum wahrgenommen wird? Durch Diskussionen, Projektarbeiten und Begegnungen entstehen Ideen, die nicht nur schulisch relevant sind, sondern auch Impulse für die Region geben können.

Gemeinsames Ziel

Die Zusammenarbeit der Gymnasien verbindet historisches Lernen mit Begegnung und Zukunftsorientierung. Die Jugendlichen erwerben nicht nur Wissen über zentrale Epochen, sondern lernen auch, wie wichtig Perspektivwechsel, Austausch und respektvoller Dialog sind. So entsteht ein gemeinsames Verständnis für Vergangenheit und Gegenwart – und eine Grundlage für ein starkes Miteinander in der deutsch-tschechischen Grenzregion.

Baustein 2

Unterrichtsmaterialien

Im Rahmen des Projekts entstehen hochwertige, praxisnahe Unterrichtsmaterialien zur gemeinsamen Geschichte und Gegenwart der deutsch-tschechischen Grenzregion. Ziel ist es, historisches Lernen mit regionalem Bezug zu stärken, Perspektivwechsel zu ermöglichen und aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen in den Unterricht zu integrieren. Die Materialien werden in drei thematischen Modulen entwickelt und anschließend digital sächsischen und tschechischen Schulen zur Verfügung gestellt.

Die Unterrichtsmaterialien sind so konzipiert, dass sie flexibel einsetzbar sind: sowohl im digitalen Unterricht (z. B. über Whiteboard oder Lernplattformen) als auch in gedruckter Form als Arbeitsblätter. Neben klassischen Quellen und Aufgabenformaten werden die Module zudem durch Audio- und Videoaufnahmen von Zeitzeugengesprächen ergänzt. Dadurch erhalten Lernende einen unmittelbaren Zugang zu persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und historischen Deutungen – ein wichtiger Beitrag zu lebendiger Erinnerungskultur und demokratischer Bildung.

Drei Module – drei Zeiträume

Die Materialien decken drei zentrale Zeiträume ab, die für die Grenzregion und die deutsch-tschechische Beziehungsgeschichte besonders prägend sind:

A. Die gemeinsame Geschichte der Grenzregion

Industrielle Revolution bis Anfang des 20. Jahrhunderts

Im Mittelpunkt stehen die Regionalgeschichte, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen sowie das Zusammenleben in einer kulturell vielfältigen Grenzregion.

B. Die gemeinsame Geschichte

des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit

 

Dieses Modul behandelt die Zeit des Nationalsozialismus, das Leben im Protektorat Böhmen und Mähren, die Folgen des Münchner Abkommens sowie verschiedene Formen der Vertreibung und Umsiedlung – und deren langfristige Auswirkungen auf Gesellschaft und Erinnerung

C. Gegenwart und Zukunft

Wahrnehmung und Entwicklung der Grenzregion

 

Hier geht es um europäische Einigung und die EU, den Wandel in Osteuropa sowie aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen der Grenzregion – von kommunaler Politik über demografischen Wandel bis hin zu Fachkräftemangel und grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Einordnung in die Lehrpläne – Sachsen

Die Themen werden so aufbereitet, dass sie direkt an die bestehenden Lehrpläne in Sachsen anschlussfähig sind:

Geschichtsunterricht (Sachsen):

  • Thema A: Regionalgeschichte – Klassenstufe 8
  • Thema B: Nationalsozialismus, Sudetendeutsche, Münchner Abkommen, Vertreibung, Umsiedlung – Klassenstufe 9
  • Thema C: Prozess der europäischen Einigung, EU; Wandel in Osteuropa – Klassenstufe 10

Gemeinschaftskunde (Sachsen):

  • Thema C: Kommunalpolitik – Klassenstufe 7
  • Thema C: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel – Klassenstufe 10

Einordnung in die Lehrpläne – Tschechien

Auch für tschechische Schulen erfolgt eine klare Anbindung an die bestehenden curricularen Vorgaben:

Geschichtsunterricht (Tschechien):

  • Thema A: Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen vor dem Zweiten Weltkrieg; Regionalgeschichte – 9. Klasse und 13. Klasse
  • Thema B: Leben im Protektorat Böhmen und Mähren; Formen der Vertreibung (wilde und organisierte Vertreibung) und Folgen für die weitere Entwicklung der Tschechoslowakei
  • Thema C: Das vereinte Europa, EU

Gemeinschaftskunde (Tschechien):

  • Thema C: Erneuerung der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen nach der Samtenen Revolution und Formen der Beziehungen heute

Baustein 3

Bildungs- und Begegnungszentrum

Im Rahmen des Projekts entsteht ein Bildungs- und Begegnungszentrum, das neue Wege geht: Es ist innovativ, mobil und ohne festen Standort. Statt an einen Ort gebunden zu sein, bringt es seine Angebote dorthin, wo Menschen zusammenkommen – in die gesamte deutsch-tschechische Grenzregion. So wird Bildung flexibel, zugänglich und lebendig.

Die virtuelle Heimat dieses Zentrums bilden die im Projekt entwickelten Webseiten. Sie fungieren als zentrale Plattform für Informationen, Austausch und Materialien. Hier werden Inhalte gebündelt, Veranstaltungen sichtbar gemacht und Ressourcen dauerhaft zugänglich bereitgestellt – als digitaler Treffpunkt für alle, die sich für gemeinsame Geschichte, Dialog und grenzüberschreitende Zusammenarbeit interessieren.

Gerade das mobile Konzept eröffnet besondere Chancen: Es ermöglicht, verschiedene Zielgruppen in unterschiedlichen Orten zu erreichen und passgenaue Formate vor Ort anzubieten. Damit stärkt das Bildungs- und Begegnungszentrum den interkulturellen Austausch, fördert gegenseitiges Verständnis und unterstützt deutsch-tschechische Kooperationen auf nachhaltige Weise.

Wir verstehen das Bildungszentrum als einen Ort der Begegnung von grenzüberschreitender Bedeutung: für Pädagoginnen und Pädagogen sowie Schülerinnen und Schüler deutscher und tschechischer Schulen, für Zeitzeuginnen und Zeitzeugen beiderseits der Grenze, für Historikerinnen und Historiker, Museumsfachleute sowie für Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv einbringen möchten. Es schafft Raum für Austausch, Perspektivwechsel und gemeinsame Lernprozesse – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem offenen, respektvollen und zukunftsfähigen Miteinander in der Grenzregion.

Interesse an Austausch und Zusammenarbeit?

Sie möchten mehr über das Projekt erfahren, sich beteiligen oder eine Partnerschaft aufbauen? Wir freuen uns über den Austausch mit Institutionen, Organisationen und engagierten Einzelpersonen aus Sachsen und Tschechien.

 

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